Erneuerbare Energien: Der globale Ausbau in Zahlen
5.149 GW global: IRENA-Daten zeigen Rekordzubau bei Solar und Wind. Der globale Energiewende-Trend 2024–2025 mit allen Zahlen und Analysen.
Rekordjahr 2025: 692 Gigawatt neue erneuerbare Kapazität
Im Jahr 2025 wurden weltweit 692 Gigawatt (GW) an erneuerbarer Energiekapazität zugebaut – ein neuer Allzeitrekord. Damit erreichte die globale Gesamtkapazität 5.149 GW, wie die International Renewable Energy Agency (IRENA) im April 2026 meldete. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 15,5 Prozent.
Diese Zahlen sind beeindruckend, aber sie reichen nicht aus. Um das internationale Ziel zu erreichen, die erneuerbaren Kapazitäten bis 2030 zu verdreifachen, wäre ein jährliches Wachstum von mindestens 16,6 Prozent nötig. Die Weltwirtschaft wächst langsamer als erforderlich – der Gap zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird nicht kleiner.
Diese Analyse untersucht den globalen Ausbau erneuerbarer Energien mit Daten von IRENA, REN21 und dem World Economic Forum. Wir beleuchten, welche Technologien am stärksten wachsen, welche Länder führen, und wo die Engpässe liegen. Die Daten zeigen eine Energiewende, die gleichzeitig beeindruckend und unzureichend ist.
Solar dominiert: Die Sonne gewinnt das Rennen
Solarenergie ist der unangefochtene Spitzenreiter des Ausbaus. 2024 wurden 452 GW neue Solarkapazität installiert, 2025 sogar 510 GW. Die kumulierte Gesamtkapazität erreichte damit Ende 2025 2.391 GW – fast die Hälfte aller erneuerbaren Kapazitäten weltweit.
Die Gründe für den Solarboom sind vielfältig. Die Kosten für Photovoltaik-Module sind in den letzten zehn Jahren um über 80 Prozent gesunken. In vielen Teilen der Welt ist Solar mittlerweile die günstigste Form der Stromerzeugung – ohne Subventionen. China dominiert die Produktion von Solar-Modulen und hält über 80 Prozent des Weltmarkts.
Besonders dynamisch ist die Entwicklung in Schwellländern. Indien installierte 2024/2025 Rekordmengen an Solar, angetrieben durch ehrgeizige Klimaziele. Brasiliens dezentrale Solaranlagen (Dachanlagen) wuchsen um über 50 Prozent. Sogar in Afrika entstehen erste Großprojekte, etwa in Marokko und Südafrika.
- 2024: 452 GW neue Solar-Kapazität weltweit
- 2025: 510 GW neuer Zubau (neuer Rekord)
- Kumulierte Solar-Kapazität Ende 2025: 2.391 GW
- Solar macht über 96% des Netto-Zubaus bei Erneuerbaren aus
- Kosten für PV-Module seit 2014 um über 80% gesunken
Windkraft: Stetiges Wachstum mit Raum nach oben
Die Windkraft expandiert langsamer als Solar, aber konstant. 2024 wurden 113 GW zugebaut (Gesamt: 1.131 GW), 2025 sogar 159 GW (Gesamt: 1.291 GW). Die Beschleunigung 2025 ist teilweise auf den Abbau von Genehmigungsrückständen zurückzuführen.
Onshore-Wind bleibt das Rückgrat der Windenergie, aber Offshore-Wind wächst rasant. 2025 wurden allein 25 GW Offshore-Kapazität zugebaut, vor allem in China und Europa. Deutschland bleibt einer der führenden Offshore-Windmärkte, obwohl China mittlerweile die Nase vorn hat.
Die größten Herausforderungen für die Windkraft sind Netzanschlüsse und Genehmigungsverfahren. In Deutschland dauert es im Schnitt 5–7 Jahre von der Planung bis zur Inbetriebnahme eines Windparks. Die EU hat 2024 Notfallmaßnahmen erlassen, um Prozesse zu beschleunigen – mit ersten Erfolgen.
Regionalanalyse: Wer baut aus?
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist regional extrem ungleich. China ist der mit Abstand größte Akteur: 2024 entfielen 60 Prozent des weltweiten Zubaus auf China. Das Land investierte über 2024 und 2025 zusammen mehr als 1.500 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien.
Europa baut ebenfalls kräftig aus, allerdings langsamer als geplant. Die EU hat das Ziel, bis 2030 42,5 Prozent erneuerbaren Anteil am Energieverbrauch zu erreichen. 2024 lag der Anteil bei ca. 24 Prozent. Deutschland verzeichnete 2024 einen Anteil von ca. 56 Prozent erneuerbaren Stroms am Bruttostromverbrauch – ein Rekordwert.
Die USA entwickeln sich paradox: Trotz politischer Unwägbarkeiten treibt der marktwirtschaftliche Vorteil den Ausbau voran. Die Bundesstaaten Texas und Iowa führen bei Windkraft, Kalifornien bei Solar. Doch der Zubau liegt hinter China und Europa zurück. Afrika bleibt trotz enormen Potenzials deutlich zurück – der Kontinent hat nur 2 Prozent der globalen erneuerbaren Kapazitäten.
Engpässe und Herausforderungen: Was bremst die Energiewende?
Trotz Rekordzubau gibt es erhebliche Hindernisse. Das wichtigste ist der Netzausbau: Ohne entsprechende Stromnetze nützt die beste Solar- oder Windanlage nichts. Die IRENA schätzt, dass bis 2030 weltweit 80 Millionen Kilometer neue Stromleitungen benötigt werden – eine Investition von über 600 Milliarden Dollar jährlich.
Ein weiterer Flaschenhals sind Critical Minerals: Lithium, Kobalt, Seltene Erden und Kupfer werden für Solarpanels, Windturbinen und Batterien benötigt. Die Versorgungsketten sind konzentriert – China dominiert nicht nur die Modulproduktion, sondern auch die Verarbeitung kritischer Mineralien. Westliche Länder versuchen derzeit, eigene Lieferketten aufzubauen.
Schließlich gibt es ein Speicherproblem. Solar und Wind sind intermittierend – sie liefern nicht immer Strom, wenn er gebraucht wird. Batteriespeicher wachsen rasant (2024 wurden weltweit 120 GWh Batteriespeicher zugebaut), aber das Tempo reicht nicht aus. Grüner Wasserstoff und Pumpspeicherwerke werden als ergänzende Lösungen erforscht.
Was bedeutet das? Interpretation der Zahlen
Die Zahlen zeigen: Die Energiewende ist kein Projekt der Zukunft, sondern findet JETZT statt. Jedes Jahr werden Hunderte Gigawatt an erneuerbaren Kapazitäten installiert, und das Tempo beschleunigt sich. Doch gleichzeitig wächst der weltweite Energiebedarf weiter – besonders in Schwellländern und durch die Elektrifizierung von Verkehr und Industrie.
Die Konsequenz: Erneuerbare Energien ersetzen teilweise fossile Brennstoffe, aber der absolute Verbrauch von Kohle, Gas und Öl sinkt langsamer als nötig. Die globalen CO2-Emissionen steigen weiterhin, weil der Zubau nicht ausreicht, um das Wachstum zu überkompensieren.
Die gute Nachricht: Die Kostenkurve ist unumkehrbar. Solar und Wind sind in den meisten Teilen der Welt die günstigsten Stromquellen. Batteriespeicher werden rapide billiger. Elektroautos erreichen in immer mehr Märkten den Cost-Parity mit Verbrennern. Die wirtschaftlichen Anreize für die Energiewende waren nie stärker als heute.
Fazit: Die Energiewende gewinnt an Fahrt – reicht es?
Der globale Ausbau erneuerbarer Energien erreicht Rekordzahlen, aber das Tempo reicht nicht für das 1,5-Grad-Ziel. Die technologischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine schnelle Energiewende sind gegeben – die Hindernisse liegen vor allem in regulatorischen Verzögerungen, unzureichendem Netzausbau und geopolitischen Lieferkettenrisiken.
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